Himalaya-Tradition

Beiträge

Lesedauer 7 Minuten

In herausfordernden Zeiten, wenn globale Krisen, persönliche Sorgen oder gesellschaftliche Umbrüche unseren Alltag überschatten, neigen wir dazu, uns krampfhaft um uns selbst zu drehen. Dies ist eine Gewohnheit unseres Geistes! Wir verstricken uns in Ängsten und dem verzweifelten Versuch, erst die eigenen Probleme vollständig zu lösen, bevor wir den Kopf wieder für andere frei haben. Viele Menschen bleiben dadurch Gefangene ihres eigenen Elends, weil sie eine dicke Mauer um sich bauen und sich in der Festung ihres Egos isolieren. Wer in Zeiten der Not ausschließlich um »Ich« und »Mein« kreist, folgt dem „Gesetz der Kontraktion“: Die Persönlichkeit schrumpft zusammen, der Geist verengt sich und das Gefühl von Mangel und Hilflosigkeit nimmt nur noch weiter zu (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 8, 74; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 40).

Inmitten des Sturms: Warum selbstloses Handeln der Schlüssel zur inneren Freiheit ist

Die Philosophie der Himalaya-Tradition, wie sie von Swami Rama und Pandit Rajmani Tigunait vermittelt wird, weist uns jedoch genau in diesen Momenten auf eine überraschende und tiefgreifende Wahrheit hin: Selbstloses Dienen – Seva bzw. Karma Yoga – ist kein Luxus für ruhige Zeiten, sondern das wirksamste Mittel, um den eigenen Geist zu heilen, zu reinigen und positiv aufzurichten (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 124).

Die Weisen des Himalayas betonen, dass das fundamentale Gesetz des Lebens nicht Kontraktion, sondern Expansion ist. Das Ego gilt in den östlichen Weisheitstraditionen als die eigentliche Wurzel vieler mentaler Probleme und Unruhen. Selbstloses Handeln bricht diesen Teufelskreis hingegen gezielt auf: Es baut die Tendenz unseres Geistes ab, sich ausschließlich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, und reinigt den Weg der Seele. Wenn wir lernen, unsere Aufmerksamkeit von der ständigen Selbstbeschäftigung abzuziehen und Gedanken sowie Energie darauf zu verwenden, anderen zu helfen, durchbrechen wir den Strudel aus Angst, Isolation und Traurigkeit (Pandit Rajmani Tigunait, 2023: Vom Tod zum Leben, S. 114–115; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 42; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 298, 394).

Uneigennütziges Geben ist laut den Meistern der Tradition der eigentliche innere Kern der Schöpfung. Während reine gedankliche Nicht-Anhaftung oft nur eine intellektuelle Zufriedenheit bewirkt, wird erst das aktive Dienen am Mitmenschen zur verlässlichen Quelle von wahrer innerer Freude und bleibendem Frieden. Indem wir Zeit, Energie oder Mitgefühl schenken, ohne eine persönliche Gegenleistung oder Anerkennung zu erwarten, gelangen wir in Einklang mit dem göttlichen Willen und stoßen die Transformation unseres eigenen Schicksals und Karmas an. Wir verlieren durch das Geben nichts! Vielmehr öffnen wir uns dafür, tiefen inneren Reichtum zu empfangen und zu erfahren, dass wir inmitten aller Stürme des Lebens niemals hilflos sind, sondern die Kraft in uns tragen, ein Licht für unsere Mitmenschen zu sein (Pandit Rajmani Tigunait, 2023: Vom Tod zum Leben, S. 114–115; Pandit Rajmani Tigunait, 2020: Vishoka-Meditation, S. 258; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 172; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 150, 198, 236–237).

Schritte zur Umsetzung selbstlosen Handelns im Alltag

Selbstloser Dienst erfordert keine spektakulären Großprojekte – er beginnt bei den alltäglichen Pflichten und in unserem unmittelbaren Umfeld (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 46, 168).

Die folgenden praktischen Handlungsempfehlungen zeigen, wie Karma Yoga Schritt für Schritt im Alltag verankert werden kann:

1. Den inneren Aufruhr reduzieren und die Pflichten der Gegenwart mit Liebe annehmen

Bevor wir effektiv für andere da sein können, gilt es, den eigenen Geist zu stabilisieren, indem wir unser persönliches Niveau von Ruhe und Klarheit (Sattva) erhöhen. Ein direkter Hebel hierfür ist, unser Sprechen zu zügeln und bewusster werden zu lassen: Indem wir achtsam kommunizieren, bedeutungsloses Gerede vermeiden und den Konsum aufwühlender Medien reduzieren, schonen wir unsere mentale Energie (Pandit Rajmani Tigunait, 2019: Die Weisheit der Meister des Himalayas, S. 139).

Gleichzeitig beginnen wir bei dem, was unmittelbar vor uns liegt: Unsere Pflicht ist genau die Aufgabe, die im gegenwärtigen Augenblick vor uns liegt. Ob berufliche Verpflichtungen, häusliche Arbeiten oder die Fürsorge für Angehörige – erfülle sie mit bewusster Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn wir unsere Aufgaben widerwillig ausführen, machen wir uns zum Sklaven der Pflicht. Wenn wir hingegen lernen, unsere Verpflichtungen zu lieben und alle Handlungen »mit Liebe zu ölen«, dann verwandeln wir sie in ein Werkzeug der inneren Befreiung und Freude (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 160–161, 172).

2. Den Blickwinkel klären und Erwartungen an die Früchte des Handelns loslassen

Um im Alltag nicht in Vergleiche, Wut oder Überlegenheitsgefühle zu verfallen, empfiehlt die Tradition die Klärung des Geistes (Chitta Prasadana) durch vier grundlegende Geisteshaltungen: Freundschaft gegenüber Glücklichen, Mitgefühl mit Leidenden, Freude über Tugendhafte und Gleichmut gegenüber Nicht-Rechtschaffenen. Insbesondere das kultivierte Mitgefühl für Leidende hilft uns, selbstlos zu dienen, ohne dabei das eigene Ego zu füttern oder Dankbarkeit zu erwarten (Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 106).

Der Kern des selbstlosen Handelns liegt darin, das Recht auf das Ausführen der Handlung wahrzunehmen, nicht jedoch auf deren Früchte oder persönliche Belohnungen zu pochen. Das ständige Schielen nach Anerkennung oder Ergebnissen bindet uns an das Handeln und ist eine Hauptursache für Enttäuschung und Angst. Führe Handlungen daher als freies Geschenk an das große Ganze – das Universum – aus, frei nach dem Grundsatz: »Geben, geben, geben, ohne etwas zu erwarten« (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Swami Rama (2025) Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 1, 42, 173; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 101, 161).

3. Den Lebensstil prüfen und kleine Gesten im nahen Umfeld schenken

Selbstloses Handeln erfordert eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Lebensführung. Dazu gehört die bewusste Frage im Alltag: Schädige ich andere Lebewesen, die Umwelt oder den Planeten, durch die Art und Weise, wie ich mein Leben führe? Wenn wir unser tägliches Wirtschaften und Konsumieren hinterfragen und die Früchte unserer Arbeit mit anderen teilen, wird unser Beruf und Alltag zu einer Quelle des Schutzes für die Schöpfung (Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 30).

Gleichzeitig entfaltet sich Selbstlosigkeit zuerst im alltäglichen Umfeld mit Familie, Freunden und Nachbarn. Übe dich in kleinen, rücksichtsvollen Handlungen – serviere beispielsweise deinem Partner oder Gästen zuerst das Essen oder reiche jemandem aufmerksam eine Tasse Tee. Die Praxis von Ahiṃsā (Gewaltlosigkeit) bedeutet ganz konkret, darauf zu achten, andere weder durch Handlungen noch durch Worte oder Gedanken zu verletzen (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 46, 168, 172-173; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 150).

4. Täglich innehalten und das innere Gewissen (Buddhi) befragen

Um in herausfordernden Zeiten nicht den Fokus zu verlieren, ist eine tägliche kurze Kontemplation entscheidend. Sich morgens ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um über den unschätzbaren Wert des menschlichen Lebens nachzudenken und auf die Stimme des Herzens zu hören, erinnert uns an unser höheres Ziel und gibt den Ton für den Tag vor (Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 31).

Halt auch tagsüber inne, bevor du handelst, und gehe kurz in dich, anstatt impulsiv oder aus unbewussten Gewohnheiten heraus zu reagieren. Das innere Gewissen (Buddhi) weiß bereits genau, was richtig, hilfreich und mit der eigenen Wahrheit vereinbar ist; lerne, dieser inneren Beraterinstanz vor jeder Entscheidung aufmerksam zuzuhören. Indem du deine innere Weisheit und Kraft der Führung gezielt konsultierst, stärkst du deine Willenskraft (Saṅkalpa Śakti), die dir dabei hilft, schädliche Gewohnheiten zu überwinden und deine guten Vorsätze konsequent umzusetzen (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 40, 96, 152; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 42, 101, 112).

5. Alltagshandlungen in aktive Meditation verwandeln

Wenn du dein ganzes Herz und deine volle Aufmerksamkeit in das investierst, was du gerade tust, wird jede noch so alltägliche Tätigkeit zu einer Form der aktiven Meditation im Handeln (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 111–112; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 177, 237).

Indem wir handeln, ohne starr an den Ergebnissen oder am persönlichen Gewinn zu klammern, verringern wir die Verengung unserer Wahrnehmung auf das eigene „Ich“ und halten inmitten der täglichen Verpflichtungen beständig ein Bewusstsein für das innere Zentrum aufrecht . So wird unser gesamtes Tun zu einem beständigen, selbstlosen Gebet, welches uns sanft, bescheiden und fokussiert für unsere Mitmenschen da sein lässt und uns unerschütterlichen inneren Frieden schenkt (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 31; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 167; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 167, 237). Wäre das keine wundervolle Erfahrung?

Ein persönliches Fazit: Warum die Ausrichtung am selbstlosen Dienen gut tut

Für mich persönlich als Verleger all der Bücher von Swamiji und Panditji im Agni Verlag ist diese Reflexion zum selbstlosen Dienen aus Sicht der Himalaya-Tradition eine Erinnerung daran, weshalb ich diese Mission 2018 gestartet habe: Es ging darum, das positive, transformierende Geschenk der Weisheit der Himalaya-Tradition an euch alle weiterfließen zu lassen – auf dass es bei euch genauso positiv, inspirierend und transformierend ankommt, wie es bei mir ankam.

Jahre später ist die Mission immer noch dieselbe, aber ich spüre, wie die Herausforderungen der Zeit an dieser Verlagsmission meines »Ein-Mann-Unternehmens« nagen: Die zurückgehenden Verkaufszahlen durch steigende Lebenshaltungskosten und die allgemeine Verunsicherung, die eng aufeinanderfolgenden Wellen von neuen Gesetzen, die es kleinen Unternehmen wie dem Agni Verlag extrem schwer machen, überhaupt weiter zu bestehen. Doch das Stirnrunzeln in meinem Gesicht und die Schwere im Herzen verschwinden, wenn ich mir all diese Punkte zum selbstlosen Dienen bewusst mache, die uns Swamiji und Panditji letztlich genau durch dasselbe geschenkt haben: ihr unermüdliches selbstloses Dienen am Fluss dieser Weisheit selbst – der ein Dienen an der ganzen Menschheit ist.

Wo und wie hilft dir diese Weisheit in deinen Herausforderungen? Wo und wie kannst du hier und jetzt dienen? Wo und wie kannst du vielleicht deine Handlungen »mit Liebe ölen« und damit in einen selbstlosen Dienst umwandeln?

Lass dich von diesen Fragen inspirieren! Wir alle können etwas dafür tun, dass die Welt nicht nur schwarz-weiß ist.

Herzlichst

Dein Michael

 

Bilder: KI-generiert

Die zum Text zugehörigen Zitatstellen in den angegebenen, verlinkten Büchern wurden mit Hilfe von KI ermittelt.

Lesedauer 10 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Vorbemerkung: In den zehn Jahren, die seit dem ersten Erscheinen dieses Artikels (in Englisch) vergangen sind, haben Wut und Gewalt die Welt weiter erschüttert. In den Jahren 2021 und 2022 haben wir den wütenden Angriff auf das US-Kapitol im Zusammenhang mit den Wahlen erlebt, die weit verbreitete Wut, die in vielen Formen zum Ausdruck kam, ausgelöst durch die Anordnungen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie, und einen Krieg, der durch die Wut Russlands über die Annäherung der Ukraine an den Westen und den Widerstand gegen den russischen Einfluss ausgelöst wurde. Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Dieser Artikel gibt Einblick in die Wurzeln von Wut und Gewalt und bietet eine spirituelle Lösung an.

Seit Jahrhunderten leben wir mit der Hoffnung, dass sich eines Tages die Wahrheit durchsetzen, das Mitgefühl triumphieren und die Liebe alles besiegen wird. Doch hat sich diese Hoffnung jemals erfüllt? Buddha wurde vergiftet, Christus wurde gekreuzigt, und Gandhi wurde erschossen. Und warum? Weil irgendjemand wütend war. Abraham Lincoln und Martin Luther King Jr. haben für ihren Idealismus mit ihrem Blut bezahlt. Was haben wir falsch gemacht? Für mich liegt die Antwort auf der Hand: Wir haben die Botschaft der Wut und die Maßnahmen, die sie erfordert, ignoriert. Weiterlesen

Lesedauer 2 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Ihr Lieben,

die jährlich wiederkehrende Zeitspanne von Palmsonntag bis zum Ostersonntag erinnert uns an die bewußte Wahrnehmung dessen, das in uns sterben muß, damit wir zu einem neuen Leben, zum wahren Menschsein, auferstehen können. „Siehe, das ist der Mensch!“ spricht Pilatus zu dem blutig Geschlagenen.

Christian Morgenstern sagt dazu:

Ich habe den Menschen gesehen in seiner tiefsten Gestalt.
Ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt.
Ich weiß, dass Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn,
Und dass ich da, um immer mehr zu lieben, bin.
Ich breite die Arme aus, wie Er getan,
Ich möchte die ganze Welt, wie Er, umfahn.

Wer das Leiden der Menschheit mitleidet, dem wird das eigene, persönliche Leiden leichter. Nichts gibt so viel Kraft, mit den Schwierigkeiten des Lebens fertig zu werden, als die Seele in der Fähigkeit zu Hingabe, Empathie und zum Opfer zu üben.

Das Mahamrtyunjaya Mantra – Sieg über den Tod –  repräsentiert dieses Ostermysterium. Seine Wiederholung und Schwingung hilft uns, die Kreuzigung der Egozentrizität in uns, all dessen, das uns einredet, wir seien nicht gut genug, seien dunkel, böse, nicht würdig genug, bewußt zu erleben und überwinden zu lernen, um das Licht, die Freude und den Frieden in uns, durch die wir geschaffen wurden und die unser innerstes Wesen sind erleben zu können. Der wahre Mensch erkennt sich als diese in der Auferstehung und begreift sich in seinem Sein als ein Segen für die Menschheit, um diese mit seinem reinen Sein zu segnen. Diesen Segen zu spenden und die Menschenherzen zu erfreuen, ist der Sinn unseres Lebens. Das Ostermysterium ruft uns immer wieder von neuem dazu auf, uns darauf zu besinnen.

Der Vollmond fällt auf den Palmsonntag, 13. April 2025. Ich wünsche euch eine erkenntnisreiche, stille Stunde von 21-22 Uhr.

In liebevoller Verbundenheit

Wolfgang

P.S.: Ein Freund hat diese Wandteppiche entworfen mit dem Titel : Humanes, der Mensch.


P.P.S.:


Input von Wolfgang kannst Du über diese Online-Veranstaltungen auf unserem Agni Online Portal bekommen:

Lesedauer 3 Minuten

Diesen Vollmondtext kannst Du dir auch vom Autor Wolfgang Bischoff persönlich vorlesen lassen:

[s3mm type=“audio“ s3bucket=“agni-magazin-audio-20201020″ s3region=“eu-central-1″ files=“2024-07 Vollmondtext Juli 2024.m4a“ titles=“Vollmondtext Juli 2024 von Wolfgang Bischoff“ /]

Von Wolfgang Bischoff

Ihr Lieben,

kühl leuchtet der Julivollmond durch die Wolken und lädt uns ein mit ihm still zu werden und uns auf das Wesentliche zu besinnen, das uns umgibt. Oft zeigt es sich uns in einem Lebensaugenblick, in dem wir es gar nicht erwartet haben. Vorstellungen, Erwartungen wie die Welt zu sein hat, Prinzipien und Regeln, nach denen wir uns zu verhalten versuchen, um eine Orientierung im Leben zu bekommen, nehmen uns die wache Aufmerksamkeit für das Einzigartige, Unvorhersehbare des Augenblickes. Doch manchmal, wenn es uns gelingt, uns freizumachen von Bewertungen, dann können wir die kreative Schönheit des Lebensaugenblickes wahrnehmen, den Vollmond in seinem ruhigen Strahlen, den Mitmenschen in seiner Einmaligkeit und Andersartigkeit. Voll Staunen werden wir ganz still–beginnen zu schauen und zu lauschen, so als würden wir mit unserem ganzen Wesen wahrzunehmen beginnen. Dann taucht das persönliche Mantra im Geist auf und unterstützt diesen sich entfaltenden Prozess. Sabine Greiner gab mir die Erlaubnis, folgenden Text zu veröffentlichen, den sie für ihr persönliches Mantram geschrieben hat:

Mein Mantra ist mir ein ständiger Begleiter geworden, dass wie von selbst aus den Tiefen meines Seins auftaucht, wenn ich einen guten Freund brauche:

Es
– spendet Trost, wenn ich traurig bin
– stärkt mir den Rücken wenn ich unsicher bin
– holt mich runter, wenn ich wütend bin
– baut mich auf, wenn ich unten bin
– gibt mir Mut, wenn ich ängstlich bin

Aber mein Mantra kann noch viel mehr:


Es
nimmt mich mit in die Tiefen meines Seins, wo die Glückseligkeit wohnt.
Dort gibt es keine Traurigkeit und keine Unsicherheit,
keine Wut und keine Angst.

Und ich kehre gestärkt zurück, getröstet, aufgebaut und mutig
in einen Alltag, der mir so leicht nichts mehr anhaben kann.

Heute ist Guru Purnima, der Tag im Jahr, an dem die Kraft verehrt und angebetet wird, die den Menschen von der Dunkelheit ans Licht, von der Unwissenheit zur Weisheit und von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit führt.

Diese Kraft, die sich durch den Klang des Mantrams ausdrückt und sich so dem Menschen zeigt, ist immer da und immer bereit, uns Menschen zu schützen und zu unterstützen. Sie zeigt sich uns in den Meistern der Himalayas, die ihr Leben der Meditation und Erforschung des Menschseins widmen und die dabei gewonnenen Erkenntnisse seit Jahrtausenden an die Menschheit weitergeben. An diesem Tag verneigen wir uns vor dieser Kraft in den Meistern in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Begegnest Du einem solchen Meister und fragst ihn aus Dankbarkeit für alles, was er Dir gegeben hat, was Du für ihn tun kannst, dann antwortet er: „Setze Dich hin und meditiere, das ist für mich das größte Geschenk“. Dann, wenn Du meditierst, bist Du ihnen ganz nahe und in Deinem Herzen beginnt sich das Gefühl des Getrenntseins aufzulösen. Du fühlst Dich mit ihnen wie eins und Deine Meditation wird zu deinem Leben und Dein Leben zu einer einzigen Meditation.

Ich wünsche euch, liebe Freundinnen, eine solche Verschmelzung mit der Gurukraft an diesem besonderen Tage

in liebevoller Verbundenheit

Wolfgang

 

Lesedauer 4 Minuten

Antworten von Pandit Rajmani Tigunait

Frage Agni-Magazin: In deinen Vorträgen und Büchern wird oft auf die Himalaya-Tradition und die Tradition von Sri Vidya verwiesen. Kannst du uns erklären, was diese Begriffe bedeuten und wofür sie stehen?

Pandit Rajmani Tigunait sagt dazu: Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als würde die Himalaya-Tradition zu einer bestimmten geografischen Region gehören, doch das ist nicht der Fall. Sie bezieht sich stattdessen auf einen erhabenen Bewusstseinszustand, der durch die höchsten Gipfel der Welt repräsentiert wird, und auf das reine, unverfälschte Wissen und die Erfahrung, die durch den immerwährenden Schnee des Himalaya vermittelt werden. Weiterlesen

Lesedauer 3 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Ihr Lieben,

Am 8. Dezember erstrahlt der Vorweihnachtsvollmond am azurblauen Himmel. Lasst uns gemeinsam von 21 bis 22 Uhr still werden und über die Bedeutung des sich immer wiederholenden Weihnachtsfestes kontemplieren.

In dem ewig sich wiederholenden Jahreszyklus befinden wir uns wieder einmal in der Vorweihnachtszeit, einer Zeit, die der Menschenseele die Verheißung schenkt, zu einer tiefen Erkenntnis seines eigenen Seins, seines Ursprungs kommen zu können. Die Nächte werden sternenklar und offenbaren Geistiges aus den Höhen, während in den Erdentiefen eine heilige Ordnung zu entstehen beginnt, die neues Leben im kommenden Frühling hervorbringen wird. Weiterlesen

Lesedauer 2 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Ihr Lieben,

Am 8.November erstrahlt der Herbstvollmond und bringt die goldgelben, rötlichen Blätter zum Leuchten. Jeder sitzt bei sich zu Hause auf seinem Meditationsplatz  und verbindet sich im Geiste mit allen Meditierenden auf diesem schönen Planeten Erde.

Es ist Herbst geworden,
die Blätter erblühen in goldgelben Farben,
fallen durch die Lüfte
tanzend zu Boden
und werden wieder zu Staub und Asche.

Ein fröhliches, würdiges Schauspiel
offenbart sich uns und zeigt uns
wie Farbenfreude, Tanz und Vergänglichkeit
zusammengehören wie das
Leben und das Sterben.

Weiterlesen

Lesedauer 4 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Mantra-zentriertes Purashcharana stellt eine einzigartige Spezialität in der Tra­dit­ion der Meister des Himalayas dar. Es existieren Tausende von Mantras. Einige sind in den Schriften dokumentiert, andere werden durch mündliche Überlieferung weiter­­gegeben. Eine kleine Anzahl von Mantras dient der spiri­tuellen Entfaltung, aber die Mehrheit dient der Überwindung von Hindernissen, die ihren Ursprung in unserem Geist oder in der Welt außerhalb von uns haben. Hindernisse, welche beispielsweise durch Angst, Trauer oder Selbstmordgedanken entstehen, sind die Domäne von Mantra-zentriertem Purashcharana. Die vorsorglichen Maßnahmen und Voraussetzungen für ein solches Purashcharana sind strenger als für solche, die keine Mantras beinhalten. Weiterlesen

Lesedauer 2 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

am 13. Juli 2022 leuchtet der Juli-Vollmond kühl durch die Wolken und lädt uns ein, mit ihm still zu werden und uns auf das Wesentliche zu besinnen, das uns umgibt. Oft zeigt es sich uns in einem Lebensaugenblick, in dem wir es gar nicht erwartet haben. Vorstellungen, Erwartungen,wie die Welt zu sein hat, Prinzipien und Regeln, nach denen wir uns zu verhalten versuchen, um eine Orientierung im Leben zu bekommen, nehmen uns die wache Aufmerksamkeit für das Einzigartige, Unvorhersehbare des Augenblickes. Doch manchmal, wenn es uns gelingt, uns freizumachen von Bewertungen, können wir die kreative Schönheit des Lebensaugenblickes wahrnehmen, den Vollmond in seinem ruhigen Strahlen, den Mitmenschen in seiner Einmaligkeit und Andersartigkeit. Voll Staunen werden wir ganz still, beginnen zu schauen und zu lauschen, so als würden wir mit unserem ganzen Wesen wahrzunehmen beginnen. Dann taucht das persönliche Mantra im Geist auf und unterstützt diesen sich entfaltenden Prozess.

Weiterlesen

Lesedauer 4 Minuten

Von Michael Nickel

Immer mal wieder kommt die Frage hoch: „Warum gibst Du eigentlich jeden Monat wieder und wieder eine neue live-Stunde Tiefenentspannung mit Yoga Nidra, wenn man doch immer mit derselben Aufzeichnung üben könnte?“ ( … schließlich stehen zum Beispiel bei meinen Stunden die Aufzeichnungen immer 3-4 Wochen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung …) – Also: Gute Frage! – Und es gibt auch zwei gute Gründe dafür, eben NICHT dauernd mit derselben aufgezeichneten Anleitung Tiefenentspannung zu üben, sondern immer wieder live (und mit neuen Aufzeichnungen) zu praktizieren – und dabei trotzdem bei derselben Technik zu bleiben:

  • Erstens: beim Yoga Nidra willst Du davon profitieren, dass das Bewusstsein wach dabei bleibt – im idealen Fall FÜHRT dein Bewusstsein Dich selbst durch die Praxis. Bequemer ist natürlich, einer Anleitung zu folgen. Die Variation, die in der live-Anleitung zwangsläufig steckt, unterstützt das Bewusstsein dabei, achtsam und wach zu bleiben. Gewohnheit, die sich aus der Nutzung der ewig selben Audio- oder Videoaufnahme einer Entspannungsanleitung ergibt ist ein Feind der wirklich tiefen Entspannung in innerer Wachheit. Gewohnheit lullt uns ein – doch den größten Schatz der Tiefenentspannung heben wir mit wachem Bewusstsein …

Weiterlesen

© Copyright: Agni Verlag -