Yoga-Philosophie

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In herausfordernden Zeiten, wenn globale Krisen, persönliche Sorgen oder gesellschaftliche Umbrüche unseren Alltag überschatten, neigen wir dazu, uns krampfhaft um uns selbst zu drehen. Dies ist eine Gewohnheit unseres Geistes! Wir verstricken uns in Ängsten und dem verzweifelten Versuch, erst die eigenen Probleme vollständig zu lösen, bevor wir den Kopf wieder für andere frei haben. Viele Menschen bleiben dadurch Gefangene ihres eigenen Elends, weil sie eine dicke Mauer um sich bauen und sich in der Festung ihres Egos isolieren. Wer in Zeiten der Not ausschließlich um »Ich« und »Mein« kreist, folgt dem „Gesetz der Kontraktion“: Die Persönlichkeit schrumpft zusammen, der Geist verengt sich und das Gefühl von Mangel und Hilflosigkeit nimmt nur noch weiter zu (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 8, 74; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 40).

Inmitten des Sturms: Warum selbstloses Handeln der Schlüssel zur inneren Freiheit ist

Die Philosophie der Himalaya-Tradition, wie sie von Swami Rama und Pandit Rajmani Tigunait vermittelt wird, weist uns jedoch genau in diesen Momenten auf eine überraschende und tiefgreifende Wahrheit hin: Selbstloses Dienen – Seva bzw. Karma Yoga – ist kein Luxus für ruhige Zeiten, sondern das wirksamste Mittel, um den eigenen Geist zu heilen, zu reinigen und positiv aufzurichten (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 124).

Die Weisen des Himalayas betonen, dass das fundamentale Gesetz des Lebens nicht Kontraktion, sondern Expansion ist. Das Ego gilt in den östlichen Weisheitstraditionen als die eigentliche Wurzel vieler mentaler Probleme und Unruhen. Selbstloses Handeln bricht diesen Teufelskreis hingegen gezielt auf: Es baut die Tendenz unseres Geistes ab, sich ausschließlich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, und reinigt den Weg der Seele. Wenn wir lernen, unsere Aufmerksamkeit von der ständigen Selbstbeschäftigung abzuziehen und Gedanken sowie Energie darauf zu verwenden, anderen zu helfen, durchbrechen wir den Strudel aus Angst, Isolation und Traurigkeit (Pandit Rajmani Tigunait, 2023: Vom Tod zum Leben, S. 114–115; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 42; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 298, 394).

Uneigennütziges Geben ist laut den Meistern der Tradition der eigentliche innere Kern der Schöpfung. Während reine gedankliche Nicht-Anhaftung oft nur eine intellektuelle Zufriedenheit bewirkt, wird erst das aktive Dienen am Mitmenschen zur verlässlichen Quelle von wahrer innerer Freude und bleibendem Frieden. Indem wir Zeit, Energie oder Mitgefühl schenken, ohne eine persönliche Gegenleistung oder Anerkennung zu erwarten, gelangen wir in Einklang mit dem göttlichen Willen und stoßen die Transformation unseres eigenen Schicksals und Karmas an. Wir verlieren durch das Geben nichts! Vielmehr öffnen wir uns dafür, tiefen inneren Reichtum zu empfangen und zu erfahren, dass wir inmitten aller Stürme des Lebens niemals hilflos sind, sondern die Kraft in uns tragen, ein Licht für unsere Mitmenschen zu sein (Pandit Rajmani Tigunait, 2023: Vom Tod zum Leben, S. 114–115; Pandit Rajmani Tigunait, 2020: Vishoka-Meditation, S. 258; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 172; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 150, 198, 236–237).

Schritte zur Umsetzung selbstlosen Handelns im Alltag

Selbstloser Dienst erfordert keine spektakulären Großprojekte – er beginnt bei den alltäglichen Pflichten und in unserem unmittelbaren Umfeld (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 46, 168).

Die folgenden praktischen Handlungsempfehlungen zeigen, wie Karma Yoga Schritt für Schritt im Alltag verankert werden kann:

1. Den inneren Aufruhr reduzieren und die Pflichten der Gegenwart mit Liebe annehmen

Bevor wir effektiv für andere da sein können, gilt es, den eigenen Geist zu stabilisieren, indem wir unser persönliches Niveau von Ruhe und Klarheit (Sattva) erhöhen. Ein direkter Hebel hierfür ist, unser Sprechen zu zügeln und bewusster werden zu lassen: Indem wir achtsam kommunizieren, bedeutungsloses Gerede vermeiden und den Konsum aufwühlender Medien reduzieren, schonen wir unsere mentale Energie (Pandit Rajmani Tigunait, 2019: Die Weisheit der Meister des Himalayas, S. 139).

Gleichzeitig beginnen wir bei dem, was unmittelbar vor uns liegt: Unsere Pflicht ist genau die Aufgabe, die im gegenwärtigen Augenblick vor uns liegt. Ob berufliche Verpflichtungen, häusliche Arbeiten oder die Fürsorge für Angehörige – erfülle sie mit bewusster Aufmerksamkeit und Liebe. Wenn wir unsere Aufgaben widerwillig ausführen, machen wir uns zum Sklaven der Pflicht. Wenn wir hingegen lernen, unsere Verpflichtungen zu lieben und alle Handlungen »mit Liebe zu ölen«, dann verwandeln wir sie in ein Werkzeug der inneren Befreiung und Freude (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 160–161, 172).

2. Den Blickwinkel klären und Erwartungen an die Früchte des Handelns loslassen

Um im Alltag nicht in Vergleiche, Wut oder Überlegenheitsgefühle zu verfallen, empfiehlt die Tradition die Klärung des Geistes (Chitta Prasadana) durch vier grundlegende Geisteshaltungen: Freundschaft gegenüber Glücklichen, Mitgefühl mit Leidenden, Freude über Tugendhafte und Gleichmut gegenüber Nicht-Rechtschaffenen. Insbesondere das kultivierte Mitgefühl für Leidende hilft uns, selbstlos zu dienen, ohne dabei das eigene Ego zu füttern oder Dankbarkeit zu erwarten (Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 106).

Der Kern des selbstlosen Handelns liegt darin, das Recht auf das Ausführen der Handlung wahrzunehmen, nicht jedoch auf deren Früchte oder persönliche Belohnungen zu pochen. Das ständige Schielen nach Anerkennung oder Ergebnissen bindet uns an das Handeln und ist eine Hauptursache für Enttäuschung und Angst. Führe Handlungen daher als freies Geschenk an das große Ganze – das Universum – aus, frei nach dem Grundsatz: »Geben, geben, geben, ohne etwas zu erwarten« (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Swami Rama (2025) Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 1, 42, 173; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 101, 161).

3. Den Lebensstil prüfen und kleine Gesten im nahen Umfeld schenken

Selbstloses Handeln erfordert eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen Lebensführung. Dazu gehört die bewusste Frage im Alltag: Schädige ich andere Lebewesen, die Umwelt oder den Planeten, durch die Art und Weise, wie ich mein Leben führe? Wenn wir unser tägliches Wirtschaften und Konsumieren hinterfragen und die Früchte unserer Arbeit mit anderen teilen, wird unser Beruf und Alltag zu einer Quelle des Schutzes für die Schöpfung (Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 30).

Gleichzeitig entfaltet sich Selbstlosigkeit zuerst im alltäglichen Umfeld mit Familie, Freunden und Nachbarn. Übe dich in kleinen, rücksichtsvollen Handlungen – serviere beispielsweise deinem Partner oder Gästen zuerst das Essen oder reiche jemandem aufmerksam eine Tasse Tee. Die Praxis von Ahiṃsā (Gewaltlosigkeit) bedeutet ganz konkret, darauf zu achten, andere weder durch Handlungen noch durch Worte oder Gedanken zu verletzen (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 46, 168, 172-173; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 150).

4. Täglich innehalten und das innere Gewissen (Buddhi) befragen

Um in herausfordernden Zeiten nicht den Fokus zu verlieren, ist eine tägliche kurze Kontemplation entscheidend. Sich morgens ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um über den unschätzbaren Wert des menschlichen Lebens nachzudenken und auf die Stimme des Herzens zu hören, erinnert uns an unser höheres Ziel und gibt den Ton für den Tag vor (Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 31).

Halt auch tagsüber inne, bevor du handelst, und gehe kurz in dich, anstatt impulsiv oder aus unbewussten Gewohnheiten heraus zu reagieren. Das innere Gewissen (Buddhi) weiß bereits genau, was richtig, hilfreich und mit der eigenen Wahrheit vereinbar ist; lerne, dieser inneren Beraterinstanz vor jeder Entscheidung aufmerksam zuzuhören. Indem du deine innere Weisheit und Kraft der Führung gezielt konsultierst, stärkst du deine Willenskraft (Saṅkalpa Śakti), die dir dabei hilft, schädliche Gewohnheiten zu überwinden und deine guten Vorsätze konsequent umzusetzen (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 40, 96, 152; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 42, 101, 112).

5. Alltagshandlungen in aktive Meditation verwandeln

Wenn du dein ganzes Herz und deine volle Aufmerksamkeit in das investierst, was du gerade tust, wird jede noch so alltägliche Tätigkeit zu einer Form der aktiven Meditation im Handeln (Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 111–112; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 177, 237).

Indem wir handeln, ohne starr an den Ergebnissen oder am persönlichen Gewinn zu klammern, verringern wir die Verengung unserer Wahrnehmung auf das eigene „Ich“ und halten inmitten der täglichen Verpflichtungen beständig ein Bewusstsein für das innere Zentrum aufrecht . So wird unser gesamtes Tun zu einem beständigen, selbstlosen Gebet, welches uns sanft, bescheiden und fokussiert für unsere Mitmenschen da sein lässt und uns unerschütterlichen inneren Frieden schenkt (Pandit Rajmani Tigunait, 2021: Zur elften Stunde: Swami Rama, S. 375; Pandit Rajmani Tigunait, 2022: Warum wir kämpfen, S. 31; Swami Rama, 2025: Die Kunst des freudvollen Lebens, S. 167; Swami Rama, 2026: Bhagavad Gītā, S. 167, 237). Wäre das keine wundervolle Erfahrung?

Ein persönliches Fazit: Warum die Ausrichtung am selbstlosen Dienen gut tut

Für mich persönlich als Verleger all der Bücher von Swamiji und Panditji im Agni Verlag ist diese Reflexion zum selbstlosen Dienen aus Sicht der Himalaya-Tradition eine Erinnerung daran, weshalb ich diese Mission 2018 gestartet habe: Es ging darum, das positive, transformierende Geschenk der Weisheit der Himalaya-Tradition an euch alle weiterfließen zu lassen – auf dass es bei euch genauso positiv, inspirierend und transformierend ankommt, wie es bei mir ankam.

Jahre später ist die Mission immer noch dieselbe, aber ich spüre, wie die Herausforderungen der Zeit an dieser Verlagsmission meines »Ein-Mann-Unternehmens« nagen: Die zurückgehenden Verkaufszahlen durch steigende Lebenshaltungskosten und die allgemeine Verunsicherung, die eng aufeinanderfolgenden Wellen von neuen Gesetzen, die es kleinen Unternehmen wie dem Agni Verlag extrem schwer machen, überhaupt weiter zu bestehen. Doch das Stirnrunzeln in meinem Gesicht und die Schwere im Herzen verschwinden, wenn ich mir all diese Punkte zum selbstlosen Dienen bewusst mache, die uns Swamiji und Panditji letztlich genau durch dasselbe geschenkt haben: ihr unermüdliches selbstloses Dienen am Fluss dieser Weisheit selbst – der ein Dienen an der ganzen Menschheit ist.

Wo und wie hilft dir diese Weisheit in deinen Herausforderungen? Wo und wie kannst du hier und jetzt dienen? Wo und wie kannst du vielleicht deine Handlungen »mit Liebe ölen« und damit in einen selbstlosen Dienst umwandeln?

Lass dich von diesen Fragen inspirieren! Wir alle können etwas dafür tun, dass die Welt nicht nur schwarz-weiß ist.

Herzlichst

Dein Michael

 

Bilder: KI-generiert

Die zum Text zugehörigen Zitatstellen in den angegebenen, verlinkten Büchern wurden mit Hilfe von KI ermittelt.

Lesedauer 10 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Vorbemerkung: In den zehn Jahren, die seit dem ersten Erscheinen dieses Artikels (in Englisch) vergangen sind, haben Wut und Gewalt die Welt weiter erschüttert. In den Jahren 2021 und 2022 haben wir den wütenden Angriff auf das US-Kapitol im Zusammenhang mit den Wahlen erlebt, die weit verbreitete Wut, die in vielen Formen zum Ausdruck kam, ausgelöst durch die Anordnungen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie, und einen Krieg, der durch die Wut Russlands über die Annäherung der Ukraine an den Westen und den Widerstand gegen den russischen Einfluss ausgelöst wurde. Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Dieser Artikel gibt Einblick in die Wurzeln von Wut und Gewalt und bietet eine spirituelle Lösung an.

Seit Jahrhunderten leben wir mit der Hoffnung, dass sich eines Tages die Wahrheit durchsetzen, das Mitgefühl triumphieren und die Liebe alles besiegen wird. Doch hat sich diese Hoffnung jemals erfüllt? Buddha wurde vergiftet, Christus wurde gekreuzigt, und Gandhi wurde erschossen. Und warum? Weil irgendjemand wütend war. Abraham Lincoln und Martin Luther King Jr. haben für ihren Idealismus mit ihrem Blut bezahlt. Was haben wir falsch gemacht? Für mich liegt die Antwort auf der Hand: Wir haben die Botschaft der Wut und die Maßnahmen, die sie erfordert, ignoriert. Weiterlesen

Lesedauer 5 Minuten

Antworten von Pandit Rajmani Tigunait

Frage Agni-Magazin: Bietet Yoga ein Mittel gegen die Angst?

Pandit Rajmani Tigunait sagt dazu: Im Yoga Sutra (2:3) zählt Patanjali fünf Bedrängnisse auf: Avidya, Unwissenheit; Asmita, falsches Gefühl der Selbstidentität; Raga, Anhaftung; Dvesha, Abneigung; und Abhinivesha, Angst vor dem Tod. Im Sanskrit ist das gebräuchliche Wort für Angst Bhaya. Doch Patanjali hat das Wort Bhaya nicht verwendet. Stattdessen benutzte er das Wort Abhinivesha, und das aus gutem Grund. Es setzt sich aus drei Wörtern zusammen: abhi + ni + vesha – zwei Vorsilben, die dem Wort vesha hinzugefügt werden. Abhi bedeutet „von allen Seiten und aus allen Richtungen“. Ni bedeutet „vollständig, in jeder Hinsicht, in jeder möglichen Bedeutung“. Vesha bedeutet „eintreten“. Abhinivesha ist also etwas, das in alle Aspekte unseres Seins eindringt und sie durchdringt; es dringt aus jeder Richtung, auf jede Art und Weise, in jeder Hinsicht ein und durchdringt jeden noch so kleinen Winkel unseres Körpers und Geistes. Das ist die Natur der Angst. Wenn sie einmal da ist, breitet sie sich einfach aus. Es gibt keinen Virus in der Schöpfung, der so mächtig ist und sich so schnell ausbreitet wie die Angst. Weiterlesen

Lesedauer 4 Minuten

Von Michael Nickel

Immer wieder wandle ich gerne in und um Assisi und La Verna auf den Spuren des Heiligen Franz von Assisi. Schon lange fasziniert mich, was dieser spirituelle Meister uns Menschen an Inspiration hinterlassen hat und ich fühlte mich dazu hingezogen, sein Leben etwas zu erkunden, indem ich in die Landschaft und den Raum eintauchte, in der Franziskus einst gelebt hat und die seit Hunderten von Jahren ein Ziel von Pilgern und Suchenden darstellt.

Diese Reises haben mich sehr berührt, weil sie schlussendlich immer Reisen zu mir selbst werden, mit sehr vielen Aspekten der Selbstreflexion. Pilgerfahrten im besten Sinne, die nichts mit Religion und Doktrinen zu tun haben, sondern dem eigenen spirituellen Wachstum dienen. Besonders beeindruckt haben mich dabei die „kleinen“ und auf den ersten Blick vielleicht sogar unscheinbaren Orte seines Wirkens, insbesondere die Felsnischen von La Verna in der Toskana und die kleinen Kapellen Porzinucola, San Masseo und San Damiano, sowie das Felsenkloster Eremo delle Carceri. Diese Orte sind wahre Kraftorte für mich, die mich teilweise unmittelbar mit dem Schließen der Augen in eine tiefen, friedlichen und freudvollen meditativen Zustand transportieren – Vishoka par excellence! Diese Art von Erfahrung kenne ich von manchen Höhlenschreinen im Himalaya. Und so schließen sich für mich energetisch die Kreise.

Zwei Dinge haben mich an einigen der Wirkorten des Franziskus besonders fasziniert: Zum Einen die Intensität der Erfahrung einer spirituellen Präsenz – etwas, das in der Yoga-Philosphie als Kshetra (Feld) bezeichnet wird. Man könnte sagen, dass es die Summe all dessen darstellt, was Menschen über die Zeit in diesem Raum an Energie hinterlassen haben – begonnen bei Franziskus, der Heiligen Klara, über ihre vielen Schwestern und Brüdern im Orden, bis hin zu all den Generationen von spirituellen Suchenden bis zum heutigen Tag. Weiterlesen

Lesedauer 4 Minuten

Antworten von Pandit Rajmani Tigunait

Frage Agni-Magazin: In deinen Vorträgen und Büchern wird oft auf die Himalaya-Tradition und die Tradition von Sri Vidya verwiesen. Kannst du uns erklären, was diese Begriffe bedeuten und wofür sie stehen?

Pandit Rajmani Tigunait sagt dazu: Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als würde die Himalaya-Tradition zu einer bestimmten geografischen Region gehören, doch das ist nicht der Fall. Sie bezieht sich stattdessen auf einen erhabenen Bewusstseinszustand, der durch die höchsten Gipfel der Welt repräsentiert wird, und auf das reine, unverfälschte Wissen und die Erfahrung, die durch den immerwährenden Schnee des Himalaya vermittelt werden. Weiterlesen

Lesedauer 8 Minuten

Von Rolf Sovik

Unsere Yoga-Praxis ist von Natur aus eine fortwährende Angelegenheit. Die Vorwärtsbeuge von heute weckt eine Vorstellung davon, wie wir die Haltung morgen angehen, und die Stille, die wir in der Meditation von morgen suchen, wird durch die Art und Weise, wie wir unser Leben heute leben, vorbereitet. Und während unsere Fähigkeiten im Yoga allmählich reifen, wächst auch unser allgemeines Verständnis davon, was Yoga ist – zumindest diese Hoffnung inspiriert uns. Weiterlesen

Lesedauer 4 Minuten

Von Swami Rama

Ich war müde und erschöpft und schlief in meinem Sessel ein. Mein Schlaf dauerte bis Mitternacht, als mein Traum mich aufweckte und ich mich verwandelt und in ein anderes Reich transportiert fand. Manchmal berühre ich den Zustand der Ekstase, und während dieser Zeit schwebe ich mühelos und gehe mit dem tiefsten Gefühl von Glück und Freude ins Leere. Ich habe alle Wunder der Welt gesehen, doch diese Erfahrung war so seltsam wundervoll, dass sie sich meiner Beschreibung entzieht.

Diese Erfahrung brachte mich zu der Erkenntnis, dass Träume etwas Einzigartiges offenbaren können, das im Wach­zustand nicht bekannt sein kann. In Sanskrit wird ein solcher Zustand »unmani« genannt. Es gibt keine Entsprechung dieses Wortes im Deutschen, deshalb nenne ich es einen Traum. Es ist ein Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen. Weiterlesen

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Von Michael Nickel

Die Menschheit führt seit Tausenden von Jahren Krieg – ohne Unterlass. Im Jahr 2020, in dem wir uns in Deutschland kollektiv an der Corona-Pandemie gerieben haben und von Kriegen in den Medien kaum etwas zu hören war, tobte dennoch weltweit die Kriegs­maschinerie. Laut letzter Erhebung des Heidelberg Institute for International Conflict Research (HIIK, siehe Conflict Barometer 2020, Heidelberg Institute for International Conflict Research) bestanden 2020 insgesamt 359 größere Konflikte, von denen 220, also rund 60 Prozent gewaltsam ausgetragen wurden. Das HIIK stuft alle Konflikte auf einer Skala von 1 (Streitigkeit) bis 5 (Krieg) ein. Im Jahr 2020 wurde 21 Konflikte in Stufe 5 geführt – ausgewachsene Kriege – und 16 Konflikte in Stufe 4 – begrenzte Kriege. Weiterlesen

Lesedauer 5 Minuten

Von Michael Nickel

so langsam geht der Sommer in den Herbst über und endlich sind auch mal wieder Wolken am Himmel und der Regen spendet das herrliche nass, ohne das Natur und Mensch langfristig verkümmern würden.

Ein Blick auf die Nebelschwaden und ihre ewige Veränderlichkeit

Während ich dies schreibe, entfaltet sich um mich herum nach einer herrlichen Meditation auf dem Balkon ein wunderbarer Morgen. Ich sitze im Bregenzer Wald auf 1500 m Höhe, umgeben von Bergluft, höre dem Regen zu, der auf das Dach trommelt und das Fallrohr der Dachrinne hinuntergluckert. Dabei betrachte ich die Nebelschwaden, die ganz gemächlich und fast schon majestätisch aus dem Tal nach oben wallen und den Blick auf den gegenüberliegenden Berghang mit ihren sich immer verändernden Strukturen garnieren, wie bewegliche Sahnehäubchen … Weiterlesen

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Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

Am 12. August erstrahlt der Vollmond und läutet so langsam die Herbstzeit ein. Die Jahre gehen schnell vorüber, jedoch ist die Zeit etwas sehr Relatives. Sie ist sehr bedeutsam in der Welt der Realität, des Werdens. In der Welt des reinen Seins jedoch verliert sie an Bedeutung. Zu dieser Welt des Seins lasst uns gemeinsam, jede an ihrem Platz, Kontakt aufnehmen. Lasst uns still werden und den Augenblick in seiner Schönheit, seiner Erhabenheit genießen.

Ich möchte mit euch eine Erfahrung teilen, die ich mit Swami Rama hier in meinem Haus  erlebt habe und seine Unterrichtung danach. Es gibt viel Kritik an Swami Rama, aber seine Unterrichtung war einmalig, einfach und wesentlich. Immer wieder wies er darauf hin, dass wir zwischen der Welt der Form, seiner individuellen Person, unterscheiden lernen müssen und dem, was die Meister des Himalayas lehren, was zeitlos und inspirierend ist. Weiterlesen

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