Mantra

Beiträge

Lesedauer 11 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Wenn wir uns die Welt um uns herum ansehen, erkennen wir, dass sie von unvorstellbarem Leid geprägt ist, und wir fragen uns, warum. Manche Menschen werden von Krankheiten, Hunger und Gewalt heimgesucht, während andere unversehrt durchs Leben gehen. Wir sehen Menschen, die in alle möglichen ungesunden, unethischen und schädlichen Aktivitäten verwickelt sind und denen es scheinbar gut geht, während andere, die ehrlich, fleißig und gutwillig sind, nur Misserfolg erleben. Auf der anderen Seite hören wir von Menschen, die geistig so weit entwickelt waren, dass sie andere heilen und ihr Leben verändern konnten, die aber selbst an schmerzhaften und tödlichen Krankheiten litten. Warum ist das so? Weiterlesen

Lesedauer 8 Minuten

Von Rolf Sovik

Wir sprechen gerne von Mediengurus, Sportgurus und sogar von Verkaufs- und Marketinggurus, doch die Bedeutung des Begriffs „Guru“ bleibt oft unklar und viele haben Angst vor ihm. Das alte Wort aus dem Sanskrit scheint in unser modernes westliches Bewusstsein gerutscht zu sein und dabei seine spirituelle Bedeutung verloren zu haben. Das ist bedauerlich, denn das Konzept, so nebulös es auch ist, hat in der Yogatradition nach wie vor eine große Bedeutung. Weiterlesen

Lesedauer 8 Minuten

Von Rolf Sovik

Hast du jemals einen ruhigen Moment in deiner Meditation erreicht, nur um dich dabei zu ertappen, dass du eingeschlafen bist? Fast jeder von uns ist schon einmal während der Meditation eingenickt. Die Grenze zwischen Schlaf und Meditation ist leicht zu überschreiten – und wenn sie einmal überschritten ist, wackelt der Kopf, die Wirbelsäule wackelt und der Geist wandert durch das persönliche Wunderland.

Mit der Schläfrigkeit in unserem Kopf umzugehen, kann eine schwierige Aufgabe sein – noch schwieriger wird es durch die Macht, die der Schlaf über uns hat. Die Macht des Schlafs besteht darin, dass er unser Bedürfnis nach einer echten geistigen Auszeit befriedigt. Er hilft uns, uns selbst zu vergessen und lässt uns erfrischt zurück. Weiterlesen

Lesedauer 5 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Mein spiritueller Meister, Swami Rama, gab mir einmal eine Übung. Auf den ersten Blick klang sie sehr einfach. Tatsächlich war sie so einfach, schlicht und simpel, dass mein Geist sie kaum registrierte. Der Kern der Übung bestand darin, sich auf ein Mantra zu besinnen und dabei meinen Geist auf die Mitte zwischen den Augenbrauen zu konzentrieren. Die Übung sollte in Savasana, der Totenhaltung, durchgeführt werden – auf dem Rücken liegend. Nachdem Swamiji erklärt hatte, wie man die Nebenübungen um die Hauptübung herum anordnet, sagte er: „Achte darauf, dass du dir während dieser Übung die Ohren verstopfst. Achte auch darauf, dass du diese Praxis nicht länger als dreißig Minuten durchführst. Wenn du mitten in der Übung einschläfst, fang nicht wieder an, sondern warte bis zum nächsten Tag.“ Weiterlesen

Lesedauer 18 Minuten

Von Pandit Rajmani Tigunait

Lange bevor wir lernten, die natürliche Welt mit Dämmen, Autobahnen und Wolkenkratzern zu verändern, wussten die Weisen, dass nichts in der Schöpfung getrennt von etwas anderem existiert, dass eine Lebenskraft alles belebt, was ist. Zufrieden mit der Natur und ihren einfachen Behausungen waren die alten Meister aufmerksame Beobachter der natürlichen Welt. Sie wussten, dass Berge und Flüsse, Wind und Wolken, Wasser und Feuer allesamt Lebewesen sind, die ein Bewusstsein besitzen. Sie verstanden den Zusammenhang zwischen dem Gesang der Vögel und dem Wachstum ihrer Ernte. Sie verstanden die Botschaft, die die Natur sendet, wenn Schakale in der Mittagszeit heulen und Ameisen ihre Kolonien verlassen und ihre Eier in höher gelegene Gebiete tragen. Die Weisen beobachteten das empfindliche Gleichgewicht des Ökosystems und die lang anhaltenden Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens, wenn dieses Gleichgewicht gestört wird. Und sie sahen, was wir verlernt haben zu sehen: dass wahres Glück und wahre Erfüllung darauf beruhen, die Verbindung zwischen allem, was in dieser Schöpfung existiert, zu verstehen und zu ehren. Weiterlesen

Lesedauer 6 Minuten

Von Michael Nickel

„Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, meine Freundin!“ … vielleicht erinnerst Du Dich an eine Versicherungswerbung in der grauen Vorzeit des Fernsehens, die mit dem Thema Selbstidentifikation über Besitztümer gespielt hat, indem sie einen dezent grauharigen Mitlife-Mann – sprich: ein Grufti – die Fotosammlung seiner Errungenschaften auf den Tisch knallen ließ. Aber vielleicht erinnerst Du Dich auch nicht daran … schließlich würden mich viele jungen Leute heutzutage selber schon als „Grufti“ bezeichnen – und vermutlich bin ich das auch, denn erstens bin ich über 50, zweitens weiß ich, was ein Telefonhörer ist und wie man eine Wählscheibe bedient und drittens kenne ich noch nicht einmal die Begriffe, mit denen heute das bezeichnet wird, was man in meiner Jugend als „Grufti“ bezeichnet hat… Nun ja, egal! Zurück zur Sache! Es geht zum Einstieg ins heutige Gedankenfutter über die Tendenz von uns Menschen, eine Menge Stolz zu entwickeln, wenn wir etwas erlangt haben – sei dieses Etwas materiell oder immateriell.

Beim letzten Teilsatz müssen wir dann alle vielleicht nochmal genauer hinhören: ja, richtig, wir entwickeln denselben Stolz auf Immaterielles wie auf Materielles. Viele von uns, die sich über bewusstes Leben Gedanken machen und versuchen, etwas moderater zu leben, lachen vielleicht insgeheim über die Vorstellung des Midlife-Crisis-Mannes, der von einer materiellen Errungenschaft zur nächsten hechelt … Aber seien wir doch mal ehrlich. Diesen Stolz findet man bei so gut wie allen Menschen, auch denen, die auf dem spirituellen Pfad sind. Die einen sind Stolz auf ihren Handstand, die anderen sind stolz, wie schön sie Kirtan singen können, die nächsten sind stolz, wie lange sie die Luft anhalten können, wieder andere, wie lange sie in der Meditation sitzen können, dann nochmal andere darauf, welchem „Guru“ sie folgen und nicht wenige Swamis sind stolz darauf, Swamis zu sein, und so weiter und so fort.

Zugegebenermaßen eine Überspitzung, Ich weiß! Und sicher riskiere ich gerade damit, 90 Prozent der Leserschaft auf einen Schlag zu verlieren! Doch es führt nun mal kein Weg an diesem Spiegel vorbei: wir alle identifizieren uns mit etwas und aus dieser Identifikation entsteht ein innerer Stolz, den wir manchmal auch nach außen tragen. Selbst wenn wir denken, dass unsere Selbstidentifikation oder unser Asmita – um mal wieder schlauisch, yogisch und sanskritisch zu reden – sich im Rahmen hält. unsere Sprache verrät dann doch immer wieder, wie es wirklich um unsere Selbstidentifikation steht. Weiterlesen

Lesedauer 8 Minuten

Von Michael Nickel

„Die Welt ist zum verrückt werden!“ – Oder nicht? – Ohne Zweifel leben wir in einer Zeit, in der die Meisten von uns täglich mit mehr Herausforderungen konfrontiert werden, als uns gut tut. Aber sollen wir deswegen wirklich gleich verrückt werden? – Zum Glück muss es soweit nicht kommen. Die Yoga-Philosophie mit ihrer grundlegend konstruktiven Sichtweise auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest bringt es ja in Yoga Sutra 2.16 schön auf Sanskrit zum Ausdruck: „heyam dukham anagatam“ – oder zu gut Deutsch: „Zukünftiges Leid ist vermeidbar“. Und zwar vermeidbar im Sinne von: es muss sich für uns nicht manifestieren. Es heißt jedoch nicht, dass wir den Kopf in den Sand stecken und die Dinge an uns vorbei ziehen lassen oder dass wir vor den Herausforderungen der Welt davonlaufen. Diese Sichtweise auf unsere Handlungsspielräume als Mensch sagt lediglich: wir können die Dinge so tun, dass das Leid ausbleibt.

„Potentielles zukünftiges Leid kann vermieden werden!“

Man könnte nun natürlich einwenden: „Ich hab doch keinen Einfluss auf das große Weltgeschehen, wie soll ich also das Leid vermeiden, das durch Krieg, Hunger, Energiekrise, Inflation, Materialmangel und was noch alles in der Welt entsteht?“ – Na, ist beim Lesen dieser Begriffe der Blutdruck schon hochgegangen? Der Puls schneller geworden? Die Laune in den Keller gegangen? – Sorry, aber da sind wir dann schon wieder beim persönlichen Leid! Doch nicht wegklicken jetzt, es kommt ja besser! Was in Yoga Sutra 2.16 angesprochen wird, hat wirklich Hand und Fuß: wir müssen nicht an potentiellen Dingen leiden, die noch nicht eingetreten sind. Die Yoga-Traditionen geben uns die Werkzeuge dazu in die Hand, um vor Leid geschützt zu sein. Weiterlesen

Lesedauer 7 Minuten

Von Rolf Sovik

Kommt dir das bekannt vor? „Ich genieße die Meditation – und die Achtsamkeit auf den Atem und das Mantra, das ich nutze, sind hilfreich, aber ich bin visuell orientiert. Gibt es einen visuellen Rahmen, den ich in meine Praxis einbauen kann und der mir hilft, konzentriert zu bleiben?“

Das ist keine ungewöhnliche Frage, doch es kann schwierig sein, sie zu beantworten. Wenn wir Techniken aus verschiedenen Traditionen zusammenfassen, könnten wir alle möglichen Bilder verwenden: Thangkas aus dem tibetischen Buddhismus, klassische christliche Ikonen, Bilder der Chakras, Bilder von Lieblingsgottheiten oder sogar Kerzen. Wir könnten uns einen ruhigen Strand, eine Waldlichtung oder einen ruhigen Rückzugsort im Himalaya vorstellen. Das sind genau die Art von inspirierenden Bildern, mit denen wir unsere Häuser und Meditationsräume schmücken. Doch diese Bilder willkürlich in die Meditation einzubringen, ist nicht sehr hilfreich und kann sogar störend sein.

Glücklicherweise hat die Wissenschaft von Mantras eine Schwesterwissenschaft, die sie visuell untermauert: die Wissenschaft von Yantra. Yantras sind geometrische Diagramme, die oft aus einem kleinen Punkt bestehen, der von Kreisen, Dreiecken und Quadraten umgeben ist, die jeweils eine symbolische Bedeutung haben. Diese Bilder können verwendet werden, um unseren meditativen Fokus zu stärken. Weiterlesen

Lesedauer 3 Minuten

Antworten von Pandit Rajmani Tigunait

Frage Agni-Magazin: Was ist der Unterschied zwischen Meditation und dem Praktizieren von Japa mit einer Mala?

Pandit Rajmani Tigunait sagt dazu: Der Prozess der Meditation und das Praktizieren von Japa (Wiederholung eines Mantras) mit einer Mala sind ähnlich, aber nicht dasselbe. Wenn man Japa mit einer Mala übt, kann man sich eine solide Grundlage für die Meditation schaffen. Wenn man eine Mala während der Meditationspraxis benutzt, wird man sich der Anzahl der Mantra-Wiederholungen und – zumindest bis zu einem gewissen Grad – der Geschwindigkeit, mit der das Mantra fließt, bewusst. Doch möchte man wirklich tief in die Meditation eintauchen, ist man sich weder der Anzahl der Mantra-Wiederholungen noch des Tempos, in dem das Mantra fließt, bewusst. Wenn man wirklich meditiert, wiederholt man das Mantra nicht, sondern hört ihm einfach zu. Tief in unserem Inneren sind wir dann ganz still. Der Klang des Mantras ist bereits da und man hört ihm so aufmerksam und friedlich zu, dass man sich keines anderen Gedankens bewusst ist als des kontinuierlichen Flusses des Mantras. Weiterlesen

Lesedauer 7 Minuten

Von Rolf Sovik

Für unterschiedliche Menschen bedeutet Meditation etwas Unterschiedliches. Für die einen ist es eine Zeit der stillen Selbstbetrachtung. Für andere bedeutet es, auf den Atem zu achten oder über ihn zu reflektieren. In der Yoga-Tradition ist die Wiederholung eines Klangs oder eines Gebets – eines Mantras – ein Schlüsselelement der Meditation, das den Geist fokussiert und zu einer Quelle für inneres Gleichgewicht und Wohlbefinden wird.

Der Prozess der mentalen Wiederholung eines Mantras wird Japa genannt, was auf Sanskrit wörtlich „Gemurmel“ bedeutet. Mit etwas Übung wird Japa fest im Geist verankert, und der Klang des Mantras fließt kontinuierlich von Moment zu Moment. Er kann langsam oder in einem gemäßigten Tempo fließen. Nach längerer Übung kann das Mantra sehr schnell pulsieren und die Silben werden nicht mehr sorgfältig artikuliert. In diesem Fall fließt die Meditation mit dem Mantra ohne jede Anstrengung. Diese Phase der Praxis wird Ajapa Japa genannt, oder mühelose Wiederholung.

Fortgeschrittene Übende bezeichnen diese Phase der Meditation manchmal als „Hören auf das Mantra„. Das Mantra wird ohne geistige Anstrengung hörbar, und der innere Raum des Geistes wird von seinem Klang erfüllt. Die daraus resultierende Praxis ist mühelos und beglückend – aber sie tritt erst nach langer Erfahrung mit einem Mantra auf. Wie kannst du Ajapa Japa entwickeln? Und was passiert im Geist, wenn unser Mantra in ständiger Bewegung mitschwingt? Schauen wir uns das einmal an. Weiterlesen

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