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Diesen Vollmondtext kannst Du dir auch vom Autor Wolfgang Bischoff persönlich vorlesen lassen:

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Von Wolfgang Bischoff

Liebe Menschen,

am Samstag, den 22. Juni 2024 ist wieder Vollmond und wir haben nun fast schon wieder ein halbes Jahr erlebt voller wichtiger und unwichtiger Ereignisse und Handlungen. Deshalb möchte ich euch die folgende Geschichte als Anregung erzählen, die ihr in der stillen Stunde von 21 bis 22 Uhr kontemplieren könnt:

Ein weiser, alter Professor wurde von lerneifrigen, jungen Studenten gebeten, seine Lebenserfahrungen in einem Vortrag über „Die sinnvolle Zeitplanung“ darzustellen. Alle saßen aufmerksam da mit Papier und Stiften ausgerüstet, um eifrig mitschreiben zu können. Ruhig und gelassen mit einer wohltuenden, tiefen Stimme begann er seine Ausführungen: „Lasst uns mit einem Experiment beginnen.“

Er zog einen großen Glaskrug unter seinem Pult hervor, stellte ihn vorsichtig hin und füllte ihn dann mit Steinen so groß wie Tennisbälle bis zum Rand. „Ist der Krug jetzt voll?“ fragte er die Studenten. Diese, leicht verwirrt ,antworteten zielstrebig : „Ja“.

„Wirklich,“ fragte er und holte unter dem Pult einen mit Kies gefüllten Becher hervor. Sorgfältig verteilte er den Kies über die großen Steine und schaute zu, wie sich der Kies seinen Weg in den Krug bahnte. Und wieder fragte er die Studenten: „Ist der Krug nun voll?“ – „Wahrscheinlich nicht“, antwortete einer der ganz schlauen.

„Gut“, antwortete er und holte wieder unter dem Pult einen Eimer Sand hervor und kippte diesen in den Krug. Der Sand rieselte in die Zwischenräume und begann diese ganz auszufüllen. „Ist dieser Krug nun voll?“ – „Nein“, antworteten viele im Chor.

Lächelnd holte er unter seinem Pult einen Eimer Wasser hervor und kippte es in den Krug. Dieser war nun bis zum Rand gefüllt.

„Was können wir daraus lernen?“ fragte er.

Ein besonders schlauer Student schlussfolgerte: „Daraus lernen wir, dass wir, selbst wenn wir denken, dass unser Zeitplan schon bis an den Rand voll ist, wir, wenn wir es wirklich wollen immer noch einen Termin oder andere Dinge, die zu erledigen sind, einschieben können.“

„Nein“, antwortete er “ darum geht es nicht. Was wir wirklich aus diesem Experiment lernen können ist folgendes: Wenn man die großen Steine nicht als erstes in den Krug legen würde, dann würden sie später niemals mehr alle hineinpassen.“

Es folgte ein Moment des Schweigens.

„Was sind in eurem Leben die großen Steine? Eure Gesundheit? Eure Familie? Eure Freunde? Eure Träume? Das zu tun, was euch Spaß macht? Dazuzulernen? Für Gerechtigkeit einzustehen? Entspannung? Stille? Sich Zeit nehmen? Oder etwas ganz anderes?“

„Ich habe schmerzlich gelernt in meinem Leben, was wirklich wichtig ist, die großen Steine, an die erste Stelle zu setzen. Wenn wir nur auf Kleinigkeiten achten (den Kies, Sand und das Wasser) verbringt man sein Leben mit Kleinigkeiten und hat nicht mehr genug Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.“

„Welches sind die wirklich wichtigen Dinge in Deinem Leben für Dich, die großen Steine?“ und mit diesen Worten verließ er lächelnd den Saal.

Ich möchte euch mit dieser Geschichte frei nach Stephen Covey anregen, über die wirklich wichtigen Dinge für euch nachzudenken und ihnen Vorrang vor allem anderen in eurem Leben zu geben.
Ich wünsche euch den Mut und die Geduld, aus der tiefen Stille Deines Herzens die wirklich wichtigen Impulsanregungen aufsteigen zu lassen, wahrnehmen zu können und ihnen dann auch in Deiner konkreten Alltagspraxis Würde verleihen zu können.

Ich grüße euch herzlich.

In liebevoller Verbundenheit

Wolfgang

 

Von Michael Nickel

Normalerweise beginne ich das Jahr damit, von Mitte Januar bis Mitte Februar für ein persönliches Meditationsretreat nach Indien zu reisen, mich an einem für mich persönlich ganz besonderen Ort zurückzuziehen, in mich zu gehen, mich zu sortieren und für das neu begonnene Jahr neu auszurichten. Dieser wortwörtliche Rückzug wird in diesem Jahr nicht möglich sein, aufgrund der weltweit angespannten Situation. Doch heißt das, ich muss auf mein Retreat verzichten?

Im Sinne des gewohnten Retreats ist es sicher ein Verzicht in diesem Jahr und damit geht es mir nicht anders als vielen anderen Menschen, die vielleicht nicht unbedingt auf ein Meditationsretreat reisen, aber auf jede Menge andere heiß ersehnte Arten des „Rückzugs aus dem Alltag“ verzichten müssen, sei es das Wellness-Wochenende unter Freundinnen, der Ski-Urlaub mit der Familie, das Familienwochenende bei den Großeltern oder auch nur die Stunde Klamotten-Shopping auf der Flaniermeile der Stadt. So trivial manches davon klingen mag, was immer wir nutzen, um von dem anspruchsvollen und vielleicht sogar belastenden Teil unseres Alltags Abstand zu nehmen, könnte man als Rückzug bezeichnen. In dieser Hinsicht sind unsere Möglichkeiten derzeit stark begrenzt, weil unsere Gewohnheiten ausgehebelt werden. Weiterlesen