Einweihung

Beiträge

Lesedauer 4 Minuten

Von Wolfgang Bischoff

Ihr Lieben,

Am 27. August 2026 erstrahlt der Vollmond am azurblauen Himmel, beendet die Sommerzeit und bereitet uns auf den Herbst, die Ernte und die kommende Winterzeit vor. Lasst uns gemeinsam von 21 bis 22 Uhr still werden und über den Schatz der Himalayas, über das Innehalten, kontemplieren:

Der Schatz der Himalayas ist die Einweihung in die Mantra-Meditationsmethode. Es ist die Wissenschaft vom Klang, dem Wort.

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort, dieses war im Anfang bei Gott.
Alles, was es auf der Erde gibt, ist aus diesem entstanden.“

(Prolog des Johannes Evangeliums)

 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

 

Der Einweihungsprozess

Die Einweihung ist ein Prozess, der von der Menschheit noch kaum verstanden wird. In ihr offenbart sich die Geistige Welt dem Menschen und beginnt ordnend in sein Schicksal einzugreifen. Das Wort aus der Welt der Einheit, das Gott ist, wird auch die transzendentale Sprache, para, genannt. Wenn es die Gestalt der sprachlosen Sprache und des wortlosen Wortes annimmt, wird es mit dem femininen Begriff „die sehende Eine“, benannt.

Von hier geht ein Strahl des Bewusstseins aus und berührt die dem Selbst –  und nicht den Sinnen und der Welt – zugewandte innere Ebene des Geistes. Diese innere Ebene wird antah karana, die intuitive Fähigkeit, genannt. Hier erzeugt der Bewusstseinsstrahl, der vom spirituellen Selbst ausgeht und durch es hindurch fließt, eine mentale Schwingung. Der Geist wird angeregt durch die Wahrnehmung eines Leuchtens, ähnlich dem eines Blitzes. Sodann können in einem winzigen Moment, der in etwa dem zehnten bis siebenundfünfzigsten Teil einer Sekunde entsprechen mag, das gesamte Buch der Veden oder alle 330 Millionen Mantras offenbart werden.

Diese Erfahrung gleicht einem Saatkorn (bija) oder einem einzelnen Punkt (bindu), welcher die Einzelheiten des von einem Satelliten aufgenommenen Bildes eines riesigen Gebiets enthält. Der Punkt muss noch entwickelt werden, damit sich das Bild in all seinen Einzelheiten zeigen kann. Dieser Moment ist auch mit folgendem Bild umschrieben worden:

Alle Farben des Rades eines Fasans
sind enthalten im Ei eines Fasanenhuhns.

Dieser Zustand wird mit dem weiblichen Begriff „madhyama“,
„die mittlere Sprache“, benannt.

Indem das Wissen aus der Tiefe von buddhi zur äußeren Schicht des rationalen Geistes aufsteigt, verwandelt es sich zu einem verbalen Gedanken. Die Worte sind nichts anderes als ein Prozess der Manifestation, eine Schwingung niedrigerer Frequenz als die der vorausgegangenen Schwingungen. Dieser verbale Gedanke im Geist wird von den alten Grammatikern und Philosophen mit vaikhari (fem.) – nach außen gerichteter harscher Klang – bezeichnet. Das aber ist erst die erste Stufe von vaikhari.

Diese von buddhi, dem Geist und der relativ niedrigen Schwingung des verbalen Gedankens ausgehende Schwingung erzeugt nun eine Beschleunigung im Vitalitätsfeld des Yogis, in seinem prana. Dieses seinerseits aktiviert sodann die Sprechorgane, und der artikulierte Klang steigt auf, das Endprodukt, das die Ohren des Schülers im Prozess der Übermittlung, der Initiierung und der Unterrichtung hören.

Das Mantra, das in der Einweihung von einem authentischen Lehrer der Tradition in der beschriebenen Art wahrgenommen wird, wird dann dem Empfangenden mitgeteilt, und es wird ihm die Methodik seines Übens erklärt.

Das Wort Mantra bedeutet:

der Klang, der den Menschen schützt,
der diesen Klang in sich zum Schwingen und Klingen bringt,
und dieser Klang beseitigt die Dunkelheit seiner Unwissenheit,
beseitigt Ratlosigkeit, Orientierungslosigkeit und Hilflosigkeit seines Geistes und bringt auf wunderbare Weise sein innerstes Wesen zum Vorschein, macht ihn mit sich selbst bekannt und führt ihn zum Inneren Zentrum des Bewusstseins, von dem aus das Bewusstsein fließt.
Es führt ihn von der Dunkelheit des Unwissens zum Licht der Weisheit
und von der Sterblichkeit zur Unsterblichkeit.
Das, woran das Ostermysterium jedes Jahr von Neuem erinnert:
die eigene Egozentrizität durch einen Kreuzigungs-Sterbeprozess überwinden zu lernen, um im Lichte des wahren Menschseins aufzuerstehen,
ermöglicht der Einweihungsprozess als innere Erfahrung.

Wer ein solches Mantra erhalten hat, braucht eigentlich keine Lehrer mehr. Das Mantra führt den inneren Entfaltungsprozess durch sich selbst. Ernsthaft geübt, indem man lernt, sich auf die Bedeutung des Mantra beim Wiederholen zu konzentrieren und es nicht nur eintönig vor sich hersagt oder denkt, kann es helfen, den höchsten Bewusstseinszustand zu erlangen, in dem das Bewusstsein sich  – in sich selbst – durch sich selbst – erkennt.

Das Mantra kann die Übenden so in eine meditative Stille führen, in der das Göttliche Bewusstsein in vollkommener Stille ruht und aus der heraus es den Übenden Botschaften sendet, die für ihre Schicksalswege von großer Bedeutung sind.

Diese inneren Botschaften wahrnehmen zu lernen,
ist das Ziel allen Übens,
das mühelos mit Würde und Freude,
Liebe und Hingabe gestaltet werden sollte.

In dieser Tradition lehrt die Meditation die Übenden, nicht nur ihren Körper, ihre Sinne oder den niederen Geist kennen zu lernen, sondern sie zeigt ihnen alle Aspekte ihres Geistes, die unbewussten und überbewussten. Sie hilft den Übenden, frei zu werden von allen geistigen Störungen und Hindernissen und ist nicht nur eine Methode, die den Geist beruhigt, sondern sie ist ein Selbsttrainingsprogramm, das die Übenden lehrt, auf allen Ebenen ihrer Persönlichkeit sich selbst überwinden zu lernen.

Ich wünsche euch eine erholsame, stille Stunde

In liebevoller Verbundenheit euer

Wolfgang

Hinweis: Der Termin der Vollmond-Meditation richtet sich nach dem vedischen Mond-Kalender. Für Erklärungen und Detaildaten zur Festlegung der jeweiligen Termine siehe agni-online.de/vollmondmeditation – inklusive aller Daten für die kommenden Vollmondmeditationen dieses Jahr.

Für den August-Vollmond gilt hier speziell: Vollmond-Zeitraum (Purnama Tithi) nach vedischem Kalender für Deutschland mit Referenzort Hamburg ist vom 27. August (5:38 Uhr) bis 28. August (6:18 Uhr).

© Copyright: Agni Verlag -