Wir alle wollen den Sinn des Lebens verstehen. Essen, Schlafen und andere natürliche Funktionen zu erfüllen, ohne den Sinn des Lebens zu verstehen, macht aus dem Menschen ein Tier. Um ein Mensch zu sein, muss man den Sinn des Lebens kennen. Dieses Ziel ist die Befreiung, und die Befreiung kann durch ungebundene Handlungen erreicht werden.

Lerne so zu leben, dass der Prozess der Befreiung möglich wird

Wir müssen lernen, unser Leben zu leben, um den Prozess der Befreiung zu ermöglichen. Wir sollten das Leben immer als Herausforderung annehmen und von nichts enttäuscht sein, denn das Leben ist für uns einfach ein Vehikel. Früher oder später werden wir das Göttliche oder die Wahrheit in uns selbst finden. Wir werden erkennen, dass wir nicht als individuelle Wesen existieren. Es ist nur unsere Unwissenheit, die uns glauben lässt, dass wir getrennt vom Ganzen existieren. Wir müssen die Menschlichkeit durch die Göttlichkeit ersetzen, und dafür müssen wir echte Menschen werden. Wir müssen erkennen, dass wir alte Reisende in dieser Welt sind und dass es unser Ziel ist, Perfektion zu erreichen. Die Art und Weise, dies zu tun, ist durch die Nicht-Anhaftung.

Großherzigkeit führt uns weiter

Im Westen herrscht die weit verbreitete Angst, das Ego oder die Persönlichkeit zu verlieren. Durch Meditation finden wir heraus, dass wir das Ego tatsächlich erweitern können, nicht verlieren. Wir müssen großherzig werden und uns erweitern, um mehr und mehr unserer Mitmenschen und den Rest der Welt aufzunehmen, anstatt uns mit dem individuellen, isolierten Selbst zu identifizieren. Wir müssen uns selbst als Reisende betrachten, die vorübergehend durch das Leben in dieser Welt reisen. Wir benutzen nur diesen Körper, diese Erfahrungen, diese materiellen Objekte. Sie sind vorübergehend ausgeliehen. Sie gehören nicht uns. Wir leihen sie uns, und früher oder später werden wir sie zurücklassen. Es gibt nichts zu fürchten. Unser Ziel ist nicht, diese Dinge zu besitzen, sondern sie zu nutzen, um sie zu transzendieren. Das ist die Wahrheit.

Normalerweise identifizieren wir uns mit unserem Handeln. Aber wir müssen lernen, dass unser Handeln nicht unser persönlicher Besitz ist. Wir brauchen uns nicht daran zu binden. Es ist von größter Wichtigkeit, das Prinzip der Nicht-Anhaftung zu verstehen, um von den Früchten unseres Handelns frei zu werden. Meditation ermöglicht es dir, dich ganz allein zu vervollkommnen.

Meditation ist der Schlüssel zur Nicht-Anhaftung

Nicht-Anhaften bedeutet nicht Genusslosigkeit. Normalerweise, wenn wir eine Handlung durchführen, sind wir nicht frei von den Früchten dieser Handlung. Wenn wir zum Beispiel beten, bitten wir normalerweise um etwas. Dies wird als „menschenzentriertes“ Gebet bezeichnet, in dem Forderungen gestellt werden. Auch wenn wir beten, ist dies kein befreiender Akt, denn wir sind an die Früchte unseres Gebets gebunden. Es gibt eine andere Art von Gebet, das „gotteszentriert“ genannt wird und das der Erleuchtung dient – zum Beispiel „Herr, hilf mir, mich selbst zu erleuchten“ oder „Hilf mir, die Freiheit zu erlangen“. Aber auch in diesen Fällen hilft es uns nicht, Gott außerhalb von uns selbst zu betrachten. Es ist wichtiger sich zu erinnern, dass Gott in uns ist, damit wir uns als ein Werkzeug, ein Kind, ein Diener des Geliebten, von Gott sehen. Auf diese Weise können wir uns einem Gebet als einem Akt der Freiheit nähern. Sie können immer die Beziehung zu Gott wählen, die am besten zu Ihnen passt. Wenn er dein Freund ist, dann kannst du seine Führung akzeptieren. Wenn du ihn als deinen Führer erkennst, dann kannst du dich selbst als sein Instrument erkennen. Du musst darauf vertrauen, dass Gott in dir ist.

All-Ein – nicht einsam!

Um Verständnis und Selbsterkenntnis durch Nicht-Anhaftung zu erlangen, braucht man Meditation. Meditation ermöglicht es dir, dich ganz allein zu vervollkommnen. Allein bedeutet „alles in einem“. Es bedeutet nicht einsam. Menschen, sogar Freunde, machen dich einsam, weil sie dich dazu bringen, Hilfe von der Außenwelt zu suchen. Nur dein Freund im Inneren kann dir helfen. Erfüllung kommt nur von innen. Andere Menschen können dir helfen, aber nicht erfüllen. Es hat auch keinen Sinn, Liebe zu verlangen. Indem du Liebe gibst, wirst du im Gegenzug Liebe empfangen, aber trotzdem kann dich niemand befriedigen. Du allein kannst dich durch das höchste „Ich“ befriedigen. Durch Meditation kannst du deinem „Ich“ erlauben, dem höchsten „Ich“ zu begegnen. Es ist der Strang des Karmas, der uns bindet und uns daran hindert, diese Wahrheit zu erkennen.

Dieser Artikel entstammt dem Buch „Freedom from the Bondage of Karma“ von Swami Rama, erschienen im Himalayan Institute Press. Als einzelner Artikel erschien er zuerst im Amrit Blog in der Wisdom Library des Himalayan Institutes, USA.

What Is Non-Attachment? – Attachment and Non-Attachment © 2018 Himalayan Institute, Honesdale, PA, USA.
Deutsche Übersetzung und Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Himalayan Institutes.

Übersetzung: Michael Nickel

Foto: © Michael Nickel / Santosha Media

Swami Rama

Swami Rama

Swami Rama (1925-1996) ist einer der großen Weisen, Lehrer, Autoren und Humanisten des 20. Jahrhunderts, sowie der Gründer des Himalayan Institutes (USA) und des Himalayan Institute Hospital Trusts (Indien). Geboren in Nordindien, wurde er von frühester Kindheit an von Bengali Baba, einem Meister aus dem Himalaya, aufgezogen. Unter der Leitung seines Meisters reiste er von Kloster zu Kloster und studierte bei einer Vielzahl von Heiligen und Weisen im Himalaya, einschließlich seines Großmeisters, der in einer abgelegenen Region Tibets lebte. Zusätzlich zu diesem intensiven spirituellen Training erhielt Swami Rama eine höhere Ausbildung in Indien und Europa. Von 1949 bis 1952 hatte er die angesehene Position des Shankaracharya von Karvirpitham in Südindien inne. Danach kehrte er zu seinem Meister zurück, um sich in seinem Höhlenkloster weiterzubilden, und schließlich kam er 1969 in die Vereinigten Staaten, wo er das Himalayan Institute gründete. Sein bekanntestes Werk, Mein Leben mit den Meistern des Himalayas, enthüllt die vielen Facetten dieses einzigartigen Adepten und zeigt seine Verkörperung der lebendigen Tradition des Ostens.

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