Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Savasana und Yoga Nidra? Heutzutage scheinen die Begriffe zu verschwimmen, werden doch längere Savasana-Sequenzen auch immer wieder als Yoga Nidra bezeichnet. Sind das nicht eh einfach zwei Varianten körperlicher Entspannungsverfahren aus dem Yoga-Repertoire?

Nicht ganz. Besser gesagt und um genau zu sein: ganz und gar nicht! Zwar basieren beide auf der körperlichen Haltung, die Savasana genannt wird, von „Sava“ = „das, was tot ist“ und „asana“ = „Haltung“ und erlauben dementsprechend beide, das etwas Neues entsteht, also Transformation stattfindet. Ganz im Sinne des Ausspruchs von Rolf Sovik: „Siva ist das, was Sava zu etwas neuem macht“. Das Transformationsprinzip (Siva) wirkt also auf das, was das bisherige völlig loslassen kann (Sava). Das gelingt besonders gut in der Körperhaltung, die wir Savasana nennen und diese benutzen wir in beiden Prozessen.

Wenn das nun sowohl für den Prozess Savasana als auch für den Prozess Yoga Nidra gilt, worin unterscheiden sie sich dann? – Das beginnt schon in der Intention:

Savasana ist der Prozess, der die energetisch-mentale Arbeit einer vorausgegangenen Asana-Praxis integrierend abschließt. In anderen Worten, die Transformation findet hauptsächlich auf der energetischen Ebene statt. Oder wieder anders ausgedrückt, die energetischen Prozesse integrieren die körperliche Ebene mit der psychisch-emotionalen Ebene entsprechend dessen, was zuvor in der Asanapraxis energetisch angeschoben wurde.

Auch im Yoga Nidra geschieht dieser energetische Prozess entsprechend der energetischen Vorarbeit und je nach Yoga Nidra-Variante. Doch dann geht Yoga Nidra tiefer und öffnet den Zugang zu Buddhi, unserer tiefsten Intuition. Die tiefsten Schichten von Buddhi wiederum öffnen uns die Tore zur Essenz unseres Seins, einem zutiefst fried- und freudvolles Empfinden. Dies bringt uns dem eigentlichen Kern unserer Seele so nahe wie nur möglich, ohne unsere dualistische Wahrnehmungswelt zu verlassen. In diesem Tiefgang kann Yoga Nidra transformative Prozesse auf allen Ebenen anstoßen.

Gute Yoga Nidra-Varianten gehen diesen Weg nach ganz tief Innen bewusst und gezielt, um Transformation zu ermöglichen – gute Savasana-Varianten arbeiten bewusst und gezielt an der Integration des zuvor in der Asana-Praxis Angestoßenen. Daher ist das eine nicht besser als das andere. Beide Techniken sind mit ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden nötig und als eigenständige Methoden wichtig.

 

Dieser Text erschien zuerst auf dem „Gedankenfutter“-Blog von Dr. Michael Nickel

 

Foto: © Averie Woodard / Unsplash CC0

Übersetzt von Michael Nickel im Agni Verlag

Michael Nickel

Michael Nickel

Dr. Michael Nickel ist Entrepreneur, Autor, Verleger, Naturwissenschaftler, Berater, sowie Yoga- und Meditationslehrer. Wenn er nicht gerade die Wunder der Welt erkundet, lebt und wirkt er in Stuttgart. Sein Interesse gilt der Kunst des guten und freudvollen Lebens und allem, was damit zusammen hängt.